Wie reich das Spektrum seelischer Empfindungen
und menschlicher Erfahrensweisen bei den einzelnen Dichtern auch ist, immer
folgt der Ritter dem Aufruf zur Kreuzfahrt und kommt seiner christlichen
Verpflichtung zum Dienst an Gott nach. Die Kreuzzugsideologie gleicht sich
dem Lehnsgedanken an, weil im heiligen Krieg Gott der oberste Kriegsherr
ist. Aus diesem Lehnsverhältnis des Ritters zu Gott erwächst
die selbstverständliche Teilnahmepflicht am Kreuzzug, so wie Gott
zur Gewährung des himmlischen Lohnes verpflichtet ist.
Kein Gedanke kehrt in den untersuchten Kreuzzugsliedern
so durchgehend wieder, wie der Gedanke an den himmlischen Lohn, keiner
wird so mannigfaltig variiert wie dieser.
Friedrich von Hausen deutet die Hoffnung auf den göttlichen
Lohn nur an (MF 46,38), selbstverständlich wird sie zur Gewissheit,
wenn man auf der Kreuzfahrt den Tod erleidet.
Albrecht von Johansdorf fordert vom Kreuzfahrer als Gegenleistung
für das ewige Leben der Seele den Tod des irdischen Leibes:
"gebt ime des libes tot;
daz wirt der sele ein iemerleben."
(MF 94,24).
Hartmann von Aue sieht im Erwerb des Seelenheils den einzigen
und wahren Sinn des Lebens:
"und schliefe ich der sele heil, daz waere ein sinn."
(MF 209,29.30).
Bei Otto von Botenlauben und Rubin ist der himmlische
Lohn ein bedeutsames Argument für die Kreuznahme:
"Waere Kristes lon niht also süeze,
so enlieze ich niht der lieben frouwen min."
(I,1f.),
"do gedahte ich nach dem lon der süezen ewe staetekeit,
ob mir iemer himelkrone des libes arebeit verdienen künde."
(HMS 313 VII).
Der himmlische Lohn wurde ursprünglich nur dem Kreuzzugsteilnehmer
und seinen engsten Angehörigen versprechen.